...stark für Ausbildung und Beruf

Pädagogische Kompetenzen pflegen

Ausbilder brauchen viele Kompetenzen, erst recht in der inklusionsorientierten Ausbildung.

Mosbach/Bonn. Inklusionsorientierte berufliche Bildung erfordert neben Fachkenntnissen viele weitere Fähigkeiten: Selbstständigkeit, Urteilsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und anderes sollte mitbringen, wer Menschen mit Behinderung auf das Arbeitsleben vorbereiten möchte. So sehen es jedenfalls die Autoren eines neu erschienenen, wissenschaftlichen Diskussionspapiers, das aus verschiedenen Richtungen Schlaglichter auf Stationen und Beteiligte am Berufsbildungsprozess wirft. Die gemeinsame Fragestellung der Autoren lautet: Wie können die Ausbildungsbeteiligten möglichst gut auf ihre Aufgaben vorbereitet werden?

Von diesen Beteiligten gibt es viele. Alleine die in den Berufsbildungsprozess eingebundenen Berufsgruppen füllen in dem schlanken Band einige Seiten. Ausbilder und ausbildende Fachkräfte, Jobcoaches und Lehrende, Therapeuten und Ärzte sowie weitere Professionen arbeiten Hand in Hand. Wie deren Qualifizierung das Ziel einer inklusionsorientierten beruflichen Bildung bestmöglich erfüllt, sei bisher kaum thematisiert worden, erklärt Projektleiterin Kirsten Vollmer, die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist. „Vor allem gibt es keine Einschätzung aus verschiedenen Perspektiven.“ Daher berücksichtigt das Team von insgesamt fünf Autoren verschiedene Sichtwinkel auf die berufliche Bildung, deren Palette von der Wissenschaft bis hin zu Unternehmen reichen. Die Publikation greift ganz bewusst aktuelle Trends wie Digitalisierung und die Zunahme von psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen auf, weil sie einen hohen Stellenwert für die berufliche Bildung haben.

Die Autoren bewegen sich bei ihren Betrachtungen im deutschen System der beruflichen Bildung, aber sie untersuchen es mit einem neuen Blick. Das ist kein Zufall. Denn das Buchprojekt entstand aus einer bilateralen Begegnung, der sogenannten „Studytour“, die das herausgebende Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 2017 mit dem Partnerland Israel durchführte. „Durch den Vergleich mit einem anderen Land konnten wir viel über unser eigenes System der beruflichen Bildung lernen und darüber, wie wir mit angepassten Inhalten Menschen mit Behinderung qualifizieren“, berichtet Manfred Weiser, Co-Autor und Leiter des Berufsbildungswerks (BBW) Mosbach-Heidelberg. Mit dem dualen Ausbildungssystem habe man in Deutschland zwar eine gute Basis. Doch berge eine verengte Sicht auf Organisationsstrukturen auch hierzulande die Gefahr, dass die pädagogische Kompetenz von ausbildenden Berufsgruppen zu wenig beachtet werde.

Auch wenn ihr Buchprojekt schon vorher abgeschlossen war, sehen die beiden Autoren, Weiser und Vollmer, einen direkten Bezug zur aktuellen Corona-Krise. Denn diese drohe mit den einhergehenden wirtschaftlichen Hemmnissen, die Erfolgschancen für Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu dämpfen. „Diese Personengruppe war von Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels neu entdeckt worden“, erklärt Vollmer. Wir wollen mit unserer Publikation auch dazu beitragen, dass sie trotz Corona nicht wieder aus dem Blickfeld geraten.“

Informationen zum Buch
Kirsten Vollmer u. a., Qualifizierung des Berufsbildungspersonals in der beruflichen Bildung behinderter Menschen, Einschätzungen – Anmerkungen – Impulse, Bonn 2020. Die Veröffentlichung steht als PDF zum Download auf www.bibb.de und ist dort auch als Print-Ausgabe bestellbar. (Preis: 24,90 Euro)

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